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Nachricht: Kaum einer kann sich davon freisprechen, dass ihm das Mühlrad auch ungefähr so im Kopf herumgeht, wenn er sein Leben träumt oder seine Träume lebt und webt zwischen grammatikalischen und anderen Gewohnheiten, zwischen den Fragen und Antworten der Zeit, der Zeitung oder sonst einer Prosa des Jahrzehnts; und vielleicht ist es ganz gerechtfertigt, die Literatur unter so manchen Umständen vor allem als Fortsetzung eines solchen Träumens oder Webens anzusehen, aber zugleich als unterhaltende oder auch erbauliche, als moralische oder aber auch wahre Beschreibung aller dieser Dinge, die sich zwischen Himmel und Erde so selbstverständlich leben und träumen lassen. Denn warum soll nicht auch das Literatur sein, was jene Empfindungen, Einsichten, Anschauungen Voraussetzungen, Schlüsse usw., von denen wir alle zumeist zu leben glauben, im grossen und ganzen bestätigt? Warum soll die Literatur den Sinn, den wir meistens alle teilen, die Sprache, die wir meistens alle sprechen, die Wirklichkeit, die wir meistens alle vorzufinden übereinkommen, nicht bezeugen? Warum soll denn das Schreiben oder Lesen von Literatur im grossen und ganzen nicht so geschehen, wie uns allen unter den meisten Umständen geschieht? Wirkt denn nicht auch dieses Stück Literatur, das ich hier zu schreiben versuche, vor dem Hintergrund aller dieser fundamentalen Übereinstimmungen unserer gemeinsamen Lebensform?
Werde ich nicht selbst zu meinem eigenen Bruder Reich-Ranicki, indem ich mich oder ihn so anspreche, Vernunft, Grammatik und Argumente, aber auch die Realität - etwa die Realität der Rezensionen Reich-Ranickis - in Anspruch nehme, ja auch an eine Art Moral appelliere, und mit all dem auch die schöne und fruchtbare Gewohnheit ausübe, die zwischen dem unterscheiden lässt, was zu dieser Sprache selbst gehört, und dem, was mir als das vorschwebt, was ich allen meinen Brüdern, und also auch mir selbst, sagen will?
Gruß Marcel